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Preußisches Liebesglück

Pressetext:

Ausgangspunkt des Films ist ein faszinierendes Gemälde aus den Sammlungen des Deutschen Historischen Museums. Es trägt den Titel "Preußisches Liebesglück"und ist aus dem Jahr 1890: Ein Soldat hält sein hübsches Mädchen im Arm. Doch der königlich-preußische Rekrut ist schwarz. Dieser junge Mann in preußischer Uniform hat wirklich gelebt - sein Name ist Gustav Sabac el Cher.

Wie wird ein Mensch afrikanischer Herkunft in den 1890er Jahren zum Musikmeister in Königsberg? Wie reagiert man auf den Schwarzen mit Kaiser-Wilhelm-Bart und Pickelhaube? Wie kam seine Familie nach Deutsch-land und wie leben seine Nachkommen? Der Dokumentarfilm von Sönke el Bitar und Gorch Pieken erzählt die Saga einer ungewöhnlichen deutschen Offiziersfamilie.

Ein kleiner Junge zum Geschenknach oben

Am Anfang der Geschichte steht ein Mord. Prinz Albrecht von Preußen soll seine Frau in einer kompromittierenden Situation entdeckt und dann einen Wachsoldaten im Affekt erstochen haben. Doch ein Prinz geht nicht ins Gefängnis, er geht auf Reisen, damit Gras über die Sache wächst. In diesem Fall nach Ägypten, das gerade groß in Mode ist. Auf den Pyramiden von Gizeh wird "Heil dir im Siegerkranz" gesungen und eine Fahne aufgestellt. Auch ein Staatsbesuch steht an und Geschenke werden ausgetauscht, darunter ein kleiner nubischer Knabe, vielleicht 7 Jahre alt.

Schwarze Kammermohren haben in fürstlichen Haushalten eine lange Tradition und Geschenke dieser Art waren nicht ganz ungewöhnlich. So wird der Junge auch kurzerhand getauft. Sein neuer Name: August Sabac el Cher. Das heißt "Guten Morgen" und es waren vermutlich die ersten arabischen Worte, die der Prinz erlernt hatte. Als fürstliches Mitbringsel kommt der schwarze August nach Berlin. Fortan ist er Leibdiener und wird zum ständigen Begleiter des Prinzen.

Ein echter Preuße und Offiziernach oben

Augusts Sohn, Gustav Sabac el Cher, wird im Prinz-Albrecht-Palais zu Berlin geboren. Er ist ein begabter Musiker, der eine glänzende Karriere beim preußischen Militär macht - ein fest integriertes und allseits hochgeachtetes Mitglied der wilhelminischen Gesellschaft. Er ist der Soldat auf dem Gemälde. Als echter Preuße und Offizier ist er Mitglied des reaktionären Frontkämpferverbandes Stahlhelm. Als er 1934 stirbt liegen Kränze mit Haken-kreuzen auf dem Sarg und der Kaiser a.D. persönlich schreibt aus dem Exil ein Kondolenztelegramm.

Jazz und Nürnberger Gesetzenach oben

Auch Gustavs Söhne sind Musiker, doch weit weniger konservativ. In den wilden 20ern spielen sie mit ihren Kapellen die neuen Hits aus Übersee. Nach 1933 wird es für sie zusehends schwerer. Schwarze Musik ist nicht mehr gefragt. Gemäß den Nürnberger Gesetzen von 1935 haben nur Menschen "deutschen oder artverwandten" Blutes die vollen Bürgerrechte, aber die Anwendung dieser Gesetze auf Schwarze und vor allem "schwarze Mischlinge" ist in keiner Bestimmung geregelt. Sie sind der Willkür der Ämter und der Anfeindungen der Volksgenossen ausgesetzt.

Doch als der Krieg ausbricht sind sie "deutsch genug", um (für) Führer, Volk und Vaterland zu dienen. Und sie sind preußisch genug erzogen, um dies ohne einen Zweifel zu tun. Horst Sabac el Cher stirbt im Kaukasus als Sanitätssoldat, sein Bruder Herbert überlebt als Musiker für "Kraft durch Freude" und Volkssturm-Mann.

Eine Geschichte verblasstnach oben

So wie sich von Generation zu Generation die dunkle Farbe der Haut verlor, so geriet auch die Erinnerung an die eigene Geschichte in Vergessenheit. Axel Sabac el Cher ist heute 68 Jahre alt und der letzte Spross der Familie. Für ihn war seine Familiengeschichte lange nur ein Märchen, eine Gute-Nacht-Geschichte seiner Mutter von einem kleinen schwarzen Jungen in Ägypten. Er erfuhr erst durch die Recherchen des Historikers Gorch Pieken von der besonderen Vergangenheit seiner Familie.

Der Film entstand mit der Unterstützung des Deutschen Historischen Museums, Berlin und des Militärhistori-schen Museums, Dresden.

Pressekontakt:nach oben
Ansprechpartner:
Michael Truckenbrodt
Tel.:
030 27582138
Mobil:
0170 9381111
Email:
trucken[at]timeprints.de
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