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Die Maßnahme

Geschichten aus der russischen Provinz

Ein Dokumentarfilm von Kerstin Nickig

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Produktionsdaten:nach oben
Land/ Jahr:
Deutschland 2007
Original Titel:
Die Maßnahme
Englischer Titel:
The Operatin
Originalsprache:
Russisch
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Genre:
Kreativer Dokumentarfilm - Human Interest
Inhalt:
Geschichten aus der russischen Provinz
Länge/ Format:
37 Minuten/ HDV
Premiere:
02/2007, One World Film Festival, Prag
Festivals:
One World Prag 2007, One World Bratislava 2007, Watch Docs Warschau 2007, 7 Islands FF Mumbai 2007, Ukrainian Context FF Kiev 2007, Document6 Glasgow 2007
Synopsis:nach oben

Eine ganze sibirische Kleinstadt wird 4 Tage lang Opfer eines brutalen Polizeiübergriffs. Keiner weiß warum. Der Film spürt in Form einer Chronik den Gründen und Folgen der Ereignisse nach und zeigt im Fokus der Kleinstadt Blagoweschensk einen Konflikt, der heute ganz Russland erfasst hat: Russland auf dem Weg zum Polizeistaat - seine Bürger auf dem Weg zur Zivilgesellschaft.

Als die Sondereinsatztruppe OMON am Samstag, den 10. Dezember 2004 um 19:00 Uhr abends mit ihrem LKW vor der Bar "Pharao" im Zentrum der 30 000-Einwohner-Stadt Blagoweschensk vorfährt, wird sie von den schlangestehenden Käufern vom nahe gelegenen Kiosk noch neugierig beäugt. Auch als die Männer in schwarzen Masken und Uniform mit Maschinengewehrsalven die Bar stürmen, diskutiert man draußen interessiert, ob hier gerade ein Schwerverbrecher oder Terrorist dingfest gemacht wird. Umso erstaunter reagieren die Passanten, als nach 5 Minuten die gesamten männlichen Besucher der Bar "Pharao" unter brutalen Stößen und mit den Händen hinterm Kopf in den LKW geprügelt werden und gleich noch ein paar der neugierigsten Zuschauer selbst...

Was passierte wirklich zwischen dem 10. und 14. Dezember 2004, als Miliz und Spezialeinheiten in Masken vier Tage lang die russische Kleinstadt Blagoweschensk im Ural in Schrecken versetzte und 1000 Menschen verhafteten, in einen so genannten "Filtrationspunkt" in den Milizkeller brachte, bedrohte und zum Teil krankenhausreif schlug? Was waren die Gründe für diese Aktion? Was sind die Folgen?

Jetzt, ein Jahr später, zu Beginn der Gerichtsverhandlung gegen einige Milizangehörige, ist die Stadt in 2 Lager geteilt - hier stehen die Vertreter der Staatsmacht - Miliz und Stadtverwaltung - und dort die Opfer und deren Sympathisanten. Die einen sagen, es war eine Mücke, die anderen - ein Elefant. Die einen schweigen, die anderen - wollen reden. Für die einen war es eine legale "prophylaktische Maßnahme" gegen überhand nehmende "anti-soziale Elemente" in der Stadt, für die anderen eine kafkaeske "Strafaktion gegen die ganze Stadt", die die Bürger erinnern sollte, wer der Herr im Hause ist. Und es kursieren noch eine Menge anderer Gerüchte über die wahren Hintergründe, aber man hat den Eindruck, als würde man diese nie wirklich erfahren...

Der Film spürt - jenseits von Skandaljournalismus und Schwarz- Weiß- Malerei - den verschiedenen Darstellungen der Ereignissen vom 10.-14. Dezember 2004 nach und zeigt - beiden Seiten eine Stimme gebend - den auch ein Jahr danach noch schwelenden "kalten Krieg" zwischen den Fronten. In Interviews, Archivmaterialien und Beobachtungen entsteht das Bild einer in vieler Hinsicht typischen russischen Kleinstadt. An diesem Beispiel wird sichtbar, wie die politische Führung in steigender Angst vor einer möglichen "samtenen", "orangenen" oder "rosanen" Revolution im eigenen Land zunehmend repressiv gegen die eigenen Bürger vorgeht. Der Film beobachtet die Akteure des Konflikts - ohne zu verurteilen - bei ihrer Wahl zwischen Anpassung und Zivilcourage.

Credits:nach oben
Regie:
Kerstin Nickig
Kamera:
Eugen Schlegel, Michal Tywoniuk
Schnitt:
Ralf Ilgenfritz
Sound:
Helen Neikes
Untertitel:
Kathrin Sonderegger
Musik:
Die Vierte Variante
Produzent:
Michael Truckenbrodt
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